Franz Fuchs war kein Rechtsextremer. Die Gründe: Er war hochintelligent, arbeitslos, Sozialversager und Jungfrau.
Das eine schließt doch das andere nicht aus wirst du jetzt sagen. Aber nein, die ORF Expertenrunde nannte genau die letztgenannten Dinge als Gründe für die von Fuchs begangene Briefbombenserie, welche 4 Todesopfer und 15 Schwerverletzte forderte. Nicht etwa rassistisches und neonazistisches Gedankengut, wie es von Fuchs u.a. in seinen Bekennerschreiben offen dargelegt wurde, sondern die zahlreichen Kränkungen und Enttäuschungen hätten ihn entschieden zu diesen Taten bewegt. Das meinten jedenfalls Psychiater Reinhard Haller und der Rest der Diskussionsrunde im Staatsfernsehen unisono. Altbürgermeister Zilk, selbst ein Opfer des Bombers, fühlte sich gar bemüßigt eine Parallele zu Adolf Hitler herzustellen: Dieser sei ja auch ein talentierte Künstler gewesen, aber an der Kunstakademie gescheitert.
Na klar, am Ende war dann auch Hitler kein Nazi, sondern nur ein armer ungerecht behandelter Irrer. Und damit wird dann ja auch alles irgendwie verständlicher...
Oder doch nicht? Wenn jeder sexuell frustrierte Technikstudent, jeder drittklassige Pinselkleckser und jedes steirische Brillentragende Muttersöhnchen ähnlich agieren würde, dann wäre Österreich eine einzige Nation von Briefbomben-Mördern und großdeutschen Diktatoren.
Selbstverständlich wurden die Taten des Fuchs von allen Diskutanten auf's Schärfste verurteilt. Die wahren Hintergründe, nämlich Xenophobie, ein rassistisches, antisemitisches Weltbild und Neonazismus wurden aber gekonnt verschleiert. Wenn diese in der zweiten Republik in ihrer Brutalität einmalige Anschlagsserie nichts war als die Tat eines psychisch Gestörten, dann braucht man sich auch mit dem eigentlichen Problem, nämlich einer im postnazistischen Österreich ungebrochenen Tradition von Rassismus und Antisemitismus, welche letztendlich in der Vernichtung des Hassobjektes kulminiert, beschäftigen.




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