Bei Neonazis und Wirtshaus Besitzern ist sie beliebt wie eh und je: Die Fraktur Druckschrift. Und auch die eine oder andere Großmutter schreibt noch in deutscher Kurrentschrift.
Dabei entbehrt es durchaus nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Nationalsozialisten per Führererlaß im Jahr 1941 untersagten Fraktur oder Kurrentschrift, kurz gotische oder deutsche Schrift, zu verwenden, da diese angeblich von "Schwabacher Judenlettern" abstamme.
Hier der Erlass von Stabsleiter Bormann im orginalen Wortlaut (man beachte den Briefkopf in Fraktur):
- (Nicht zur Veröffentlichung).
- Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrage des Führers mit:
- Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen oder zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher Judenlettern. Genau wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher Judenlettern.
- Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, daß die Antiqua-Schrift künftig als Normal-Schrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normal-Schrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist, wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normal-Schrift gelehrt werden.
- Die Verwendung der Schwabacher Judenlettern durch Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Strassenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normal-Schrift gefertigt werden.
- Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normal-Schrift umstellen.
- gez. M. Bormann.
- Verteiler:
Reichsleiter,
Gauleiter,
Verbändeführer.
Natürlich entbehrten die Behauptungen jeder Grundlage, waren aber typisch für den antisemitischen Rassenwahn der Zeit. Silvia Hartmann, Historikerin, argumentiert in ihrem Buch "Fraktur oder Antiqua. Der Schriftstreit von 1881 bis 1941", dass der Grund für den Wechsel zur Antiqua Schrift, also der in Europa weit verbreiteteren Schrift die Absicht zur imperialen Neuordnung Europas war. Denn Hitler selbst erklärte auf dem Reichsparteitag von 1934
„Eure vermeintliche gotische Verinnerlichung passt schlecht in das Zeitalter von Stahl und Eisen, Glas und Beton, von Frauenschönheit und Männerkraft, von hochgehobenem Haupt und trotzigem Sinn … Unsere Sprache wird in hundert Jahren die europäische Sprache sein. Die Länder des Ostens, des Nordens wie des Westens werden, um sich mit uns verständigen zu können, unsere Sprache lernen. Die Voraussetzung dafür: An die Stelle der gotisch genannten Schrift tritt die Schrift, welche wir bisher die lateinische nannten…“
Was auch immer die Beweggründe für den Schriftwechsel wirklich waren, früher oder später wäre es wohl sowieso zum Wechsel gekommen. Trotzdem amüsant, besonders wenn man Naziskins mit lächerlichen Fraktur Tattoos begenet...
Weitere Quellen: http://home.arcor.de/lutz.schweizer/schrifterlass.html
http://www.ligaturix.de/bormann.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit





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