Gastbeitrag von Pater Johannes aka Siggi
Part 1.
"Hilfe! Linke sind hinter mir her.." - Pater Johannes, Siggi
Vier Tage sind vergangen, seit dem Antifa-Camp in Oberhausen. Ein kleines Camp, irgendwo in Westdeutschland, kaum der Rede wert und normalerweise kein Grund für die Linke etwas von sich zu geben. Man hat genug eigene Probleme: "Militaristische Bunker" ,die pink gestrichen werden müssen, Vorträge über den Anbau von Soja in der eigenen WG und "Boykottiert Coca Cola" Aufkleber, mit denen man den eigenen Kiez antikapitalistisch halten möchte. Vielleicht auch nur mal mit Fritz und Uschi im lokalen AZ bei zapatistischem Kaffee und Gemüsebrei entspannen. Die Volxküche beginnt in 10 Minuten, das Volk ist hungrig, und Fleisch ist Mord. Es bleibt also nichts anderes übrig als auf die Pampe zu warten, die einem gleich serviert wird. Plötzlich kommt "Tom", Hobbyschläger und Antikapitalist. Er scheint aufgebracht, so verstört, dass er kaum die Bionade festhalten kann. Weil Tom zwar nett ist, aber blödes Zeug redet, überzeugt man sich lieber selber und geht an den nächstbesten PC, in Voraussicht, dass man auf die Vokü-Grütze auch verzichten kann, und sich am späten Abend heimlich eine Pizza in den Ofen schiebt.
www.google.de - - Antideutsch - Podiumsdiskussion - Oberhausen..
Plötzlich verschlägt es einem die Sprache: "Islamisten tritt man nicht auf die Füße, sondern ins Gesicht!" Darüber ein merkwürdig aussehender Typ mit Perrücke und Sonnenbrille. Rassismus! schreit eine Stimme im Kopf..
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Sicherlich wird in den nächsten Tagen der Audio-Mitschnitt der Podiumsdiskussion aus Oberhausen veröffentlicht und eine Welle der Empörung durch die beteiligte Linke gehen. Bereits jetzt sind mehrere "Blogs" vollgetextet, im Anti-Defamation-Forum vermehrte Beiträge zum Thema zu finden, und was mich besonders erstaunt: Eine Gewaltdrohung gegen mich. Irgendein Kuchen aus Göttingen möchte mich verprügeln, sollte ich mich in seine antifaschistische Stadt begeben. Weil das Thema also keinen Aufschub duldet, und sogar mitlerweile irgendeine Person in meinem Namen schreibt, kommt nun mein Text, vom wahren "Siggi", zur Podiumsdiskussion in Oberhausen:
( Die Audio Aufnahme muss sich schon jeder selbst antun, daher werde ich lediglich Dinge zu bestimmten Teilen der Diskussion ansprechen, ohne zu erzählen, was sich nun dort abgespielt hat. Im Blog von "Riot Propaganda" (?) kann man sich das ganze dann saugen.. )
Die Diskussion begann mit der Einleitung der Moderation, dass jede der 3 beteiligten Personen kurz die eigene Position wiedergeben sollte. Als erstes lag es an Tom, seinen Standpunkt darzustellen. Weil Tom die eigenen Inhalte scheinbar egal wahren erzählte er einfach mal was er und seine deutschen Freunde so alles in Heiligendamm praktiziert hatten. Das interessierte leider nicht mal einen kleinen Teil der Zuhörerschaft, und während Tom sich nach und nach weiter blamierte, kam mir der Gedanke, dass man ihn auch hätte durch ein Stück Brot austauschen können. Das schaut zum einen lustiger aus, und zum anderen hätten die beiden anderen Diskutanten mehr Zeit für sich gehabt. Irgendwann im Verlauf der Diskussion kam ich dann auf die unproduktive Idee, Tom danach zu fragen, ob ihm nicht doch reaktionärer Protest beim G8 aufgefallen sei. Nun muss man dem guten Tom zu Gute halten, dass er mit so einer Frage nie in seinem Leben gerechnet hatte. Wer kann schon erwarten, dass ernsthaft jemand auf die Idee kommt, einen Vertreter der No-Globals zu fragen ob er "reaktionären Protest" bemerkt hätte. Eben so hätte man einen Nazi auf einer NPD Demo fragen können, ob ihm in letzter Zeit eine Horde von Spinnern begegnet ist. Tom wusste gar nicht was los war. Es gibt ein altes Sprichwort: "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr." Tom hatte keinen reaktionären Protest bemerkt. Er saß nur friedlich auf einer Parkbank in Rostock..
Am Ende meiner Frage bzw. Bemerkung gegenüber Tom, kam dann der Satz "Diesen Islamisten, diesen Antisemiten, tritt man nicht auf die Füße, denen tritt man ins Gesicht." Ich habe mittlerweile schon vernommen, dass bestimmte Personen mir nun vorwerfen es würde sich bei mir um einen Rassisten handeln. Eigentlich wäre es mir egal, was sich der eine oder andere Linke alles herbeifantasiert, aber in diesem Fall möchte ich doch kurz eine Bemerkung anbringen: Wer Kritikern des antisemitischen, nationalistischen und faschistischen, wie auch sexistischen Islamismus, vorwirft, sie würden sich auf einer Stufe mit Rassisten begeben, sinnentleert nicht nur den Begriff das "Rassismus" im Ursprünglichen Sinne. Er stellt sich auch hinter jene Mörderbanden, die tagtäglich Millionen von Menschen unterdrücken, und durch die rassistische! Freikarte linker "Antirassisten" die Nazis des neuen Jahrhunderts stellen (können).
Aber Tom war eher ein zweitrangiges Problem. Sozusagen die Comedybeilage zur Diskussion zwischen Alex Feuerherd und Phillip aus Frankfurt. Immer wenn die Diskussion gerade der Gefahr lief entgleisen zu können, holte der Moderator die Witzfigur aus Düsseldorf hervor, und alle konnten sich köstlich amüsieren und abreagieren.
Neben Tom gab es nämlich, wie schon erwähnt, den Phillip. Es scheint mir unnötig darauf eingehen zu müssen, was Phillip unter der, so wie er es sagt, "Israelfrage" versteht. Vielleicht die antizionistische Variante aus Frankfurt zur Judenfrage..
..man weiß es nicht. Viel mehr interessierte es mich, warum mich Phillip, wie ein zweitklassiger Motivationstrainer, dazu anstiften wollte, mich an seinen Ehrenrettungsversuchen der Linken zu beteiligen.
Ich hatte in der Protestwoche tatsächlich bessere Dinge zu tun, als mich auf diese absolut widerliche Veranstaltung zu zwingen. Schon mein Bild von diesen kaputten Camps die dort errichtet wurden, schreckten mich ausreichend ab. Statt zu später Stunde zugucken zu dürfen, wie betrunkene Punker sich gegenseitig die Zelte vollkotzen, und irgendwelche linken Ökogruppen um 2 Uhr Morgens ihre Gitarren anstimmen, lag ich bei meinem Kollegen zu Hause auf dem Sofa und schaute mir amüsiert die Live-Übertragung an. Schon am Abend zuvor lief auf Sat 1 ein kranker Film über den G8. Eine Frau aus einer verwarlosten Berliner WG, lernt einen netten Mann kennen, der am nächsten Wochenende nach Heiligendamm fährt. Und als man gerade noch hoffte, es würde sich bei dem Herrn um einen Protestler handeln, wird jedes erwartete Klischee bedient. Er nimmt am G8 teil. Ein Liebeskonflikt, geschmückt mit politischer Auseinandersetzung ist vorprogrammiert. Die "Frau vom Volke" vs. der"Aktentaschenmann".
Im Verlauf des Films kann man wunderbar erleben, wie eine deutsche "Kritik" am Kapitalismus aussieht. "Wenn nur jeder Europäer morgens einen Kaffe weniger trinkt, gibt es praktisch keine Armut mehr." , oder so ähnlich.
Das stimmt zwar nicht, aber ist auch nicht weniger absurd als die Vorstellung einiger Wursthaarträger, sie würden eine "Klimakatastrophe" verhindern, wenn sie nur 2 mal die Woche ihr Klo spülen. Leider bleibt es nicht bei einer unzutreffenden Behauptung. Immer wieder erzählt der Typ im Film wie man
seiner Meinung nach "die Armut" bekämpft. Mal liegt es daran, dass die Europäer zu häufig pupsen, dann sind es Kosmetikbesuche, oder einfach mal die Zigarette nach dem Sex. "Mehr Geld für Afrika" heißt das Motto, unter dem ein Großteil der No-Globals, Herbert Grönemeyer und anderes G*s*nd*l sich für die "Bekämpfung der Armut" einsetzen. Das scheint auch das zentrale Thema der Sat 1 Abendkomödie zu sein.
Dass von diesem "Geld für Afrika" korrupte Regimes finanziert werden, das ständige Morden in Afrika weitergeht und sich an den Demokratiedefiziten überhaupt nichts ändert, ist den ProtagonistInnen dieser Vorführung genauso scheiß egal, wie die Tatsache, dass nichts von den vorgetragenen Peinlichkeiten auch nur ansatzweise etwas mit der Kritik der politischen Ökonomie gemein hat.
Aber zurück zur Diskussion. Alex Feuerherd hatte ein paar tolle Beiträge die mir gefielen.
Phillip hingegen hatte seine Höhen und Tiefen. Mal erklärte er sehr zutreffend die Probleme bei den Protestlern, dann machte er wieder einen Sturzflug und landete bei der "Israelfrage" oder der Behauptung, die deutschen Stalinisten hätten Nazi-Deutschland besiegt. Aber einen Vorschlag von Phillip möchte ich begrüßen.
Bei der nächsten Veranstaltung gilt es durchaus, auch für antideutsche KritikerInnen, dort hinzufahren. Auf eine Demonstration gegen die Protestler. Es bleibt dann lediglich die Sache des "Ums-Ganze..." Bündnisses, zu entscheiden, wo sie sich lieber hinbegeben. Eines ist klar: Auf einer Demo gegen die Protestler müsste die Antifa Frankfurt und ihr Bündnis auf eine Menge Gruppen verzichten. Die AAH aus Hannover, die wohl eher versehentlich in's Bündnis gerutscht ist, oder andere Gruppen wie die Redical M, die sich NIE von der Restlinken trennen könnten ( ohne sich aufzulösen ). Masse oder Klasse, ihnen bleibt die Wahl..

















